Das war der Mai 2010



31. Mai 2010
Anarchie! Das Ergebnis der Landtagswahl läßt erstmal keine Landesregierung zu und heute ist auch noch das Staatsoberhaupt zurück getreten. Millionen Deutsche sind geschockt: Wieso macht Franz Beckenbauer das so kurz vor der WM? Aber der Kaiser ist gar nicht gemeint, sondern der Bundespräsident. Und der ist jetzt nach seinen Äußerungen zu Bundeswehreinsätzen und den Reaktionen, die er dazu erhalten hat, zurückgetreten. Er meinte, dass ein Land, das so vom Export abhängig ist wie die BRD, auch schon mal seine Interessen (als Beispiel nannte er die Handelswege) bei Bedarf mit Waffengewalt sichern müsste. Das Grundgesetzt und wahrscheinlich auch viele Bundesbürger sehen das ein wenig anders, zumindest sollte man das als Berufspolitiker verblümter ausdrücken.
Die Bundesversammlung muss nun in den nächsten Woche zusammenkommen und ein neues Staatsoberhaupt wählen. Das wird aber nicht so ganz einfach, weil nach den ganzen Landtagswahlen in den letzten Monaten das Innenministerium noch am Rechnen ist, wie die Zusammensetzung auszusehen hat. Zumindest melden das die Nachrichten im ZDF. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Berechnung der Zusammensetzung so kompliziert ist, aber ein wenig Anarchie und Aufregung finde ich immer gut. Herrliche Zeiten!
Diesen Kommentar konnte ich mir einfach nicht verkneifen.

29. Mai 2010
Nach meinem letzten Eintrag gestern blieb der Strahl stabil und wir konnten endlich Messdaten produzieren. Kurz nach zweiundzwanzig Uhr habe ich mich dann in den Kontrollraum gesetzt, weil der HiWi Feierabend hatte und unsere Messungen noch nicht ganz fertig waren. Meine Aufgabe bestand dann einfach nur aus Anwesenheit, mehr musste ich nicht machen. Allerdings ist der Kontrollraum klimatisiert und mit Elektronik vollgestopft. Deshalb sind meine Nasenschleimhäute nicht mehr schleimig und meine Augen brennen immer noch. Aber ich konnte mir mal wieder einen uralten Kindheitstraum erfüllen, den ich mit fünf oder sechs Jahren hatte: Nachts lange aufbleiben und Cola trinken. Damals hatte ich mir das viel aufregender vorgestellt.
Gegen Mitternacht waren Frank und die User an der anderen Beamline fertig mit ihren Experimenten und wir konnten abschalten. Ich bin im Moment der einzige DELTA-User, für den ein Dosimeter bereitsteht und deshalb bin ich dann mit Ulf in die Maschine gegangen zum Abschalten der vielen Netzgeräte, Kühler und sonstigen Geräte. Ohne Dosimeter hätte ich erst noch zehn Minuten warten müssen nach dem Abschalten des Strahls, bis ich die Anlage betreten durfte. Auch so hat die ganze Prozedur noch lange genug gedauert und ich war erst kurz vor eins zu Hause. Bis ich endlich schlafen konnte, vergingen noch mal knapp zwei Stunden. Der kleine Spaziergang durch die frische Luft hatte mich wieder munter werden lassen, als ich es gar nicht mehr gebraucht hatte. Egal, heute wollte ich sowieso einen Ruhetag einlegen.

nochmal 28. Mai 2010
Hier ist der aktuelle Plot der Stromkurve im Speicherring.

Die rote Kurve zeigt den gespeicherten Strahl. Eigentlich sollte sie möglichst mehrere Stunden lang halbwegs konstant bleiben und nur langsam fallen. Diese ganzen abrupten Stufen sollten eigentlich gar nicht vorkommen, denn das sind die Strahlverluste. Für eine Mesung brauchen wir im Moment knapp vierzig Minuten und wenn der Strahl vorher ausfällt, können wir die ganze Messung vergessen. Wie man auf dem Bild gut sieht, haben wir heute noch nicht wirklich viel messen können. Bis jetzt ist erst eine Messung fertig, während wir eigentlich mehr als ein Dutzend gebraucht hätten. Naja, vielleicht wird es jetzt gleich besser.
Schönes Wochenende!

28. Mai 2010
Seit kurz nach elf bin ich heute wieder am DELTA. Nachdem ich gestern gegen dreiundzwanzig Uhr Feierabend gemacht hatte, habe ich mich heute morgen nicht wirklich beeilt. Viel verpasst habe ich auch so nicht heute Vormittag. Die Strahlzeitvergabebesprechung nach der Mittagspause war recht kurz und es hat sich doch noch jemand gefunden, der die Zeit sinnvoll verwenden kann. Jetzt sollte ich eigentlich so langsam in mein Wochenende starten, aber das wird heute nichts. Stattdessen werden wir Strahlbetrieb machen bis kurz vor Mitternacht, um den Feiertag am Montag halbwegs zu kompensieren. Wenn wir ehrlich sind, können wir mit diesen zusätzlichen Stunden eigentlich noch nicht einmal die vielen Strahlverluste ausgleichen, die wir in dieser Woche immer wieder und wieder hatten. Es ist schon schwer demotivierend, so viel Zeit am Experiment zu verbringen, ohne dass tatsächlich brauchbare Daten gewonnen werden können. So langsam liegen auch in der Arbeitsgruppe die Nerven blank, was die Motivation nicht gerade erhöht. Naja, jetzt kommen erst einmal zwei Wochen Shutdown, also kein Strahlbetrieb. Mal sehen, ob das als Erholung reicht.

27. Mai 2010
Noch immer haben wir viele Strahlverluste und die Messungen laufen deshalb eher zäh. Ich habe heute die Spätschicht übernommen und werde wohl erst um kurz vor elf Feierabend machen können. Hoffentlich läuft dann die letzte Injektion, also das letzte Füllen des Speicherrings vor der Nacht halbwegs zügig, damit es nicht noch später wird.
Morgen Mittag soll eine Arbeitsgruppenbesprechung stattfinden. In dieser Besprechung sollen die letzten fünf Strahlwochen bis zur Sommerpause verteilt werden. Es sieht so aus, als ob niemand aus der Gruppe die Strahlzeit wirklich will. Mal sehen, was das morgen gibt.

26. Mai 2010
Den ersten stabilen Strahl und dann auch das erste Spektrum haben wir gestern um kurz nach vier gehabt. Bis dahin bin ich immer wieder umsonst zur Beamline gegangen, um die Einstellungen zu überprüfen und die besten Parameter für das Experiment zu finden. Jedes ging kurz danach oder teilweise noch während ich beschäftigt war der gespeicherte Strahl verloren und meine Messungen waren komplett wertlos. Erst um kurz vor zehn gestern Abend war das Experiment so weit, dass ich mir sicher sein konnte, dass der Teil, für den ich zuständig bin, problemlos funktioniert. Dann konnte ich auch endlich Feierabend machen. Es war noch nicht ganz dunkel draußen.

25. Mai 2010
Das Pfingstwochenende habe ich hauptsächlich zu meiner Erholung genutzt. So richtig munter bin ich heute allerdings immer noch nicht. Jetzt beginnt eine neue, kurze Strahlwoche und ich bin gespannt, wie viele Stunden ich in diesen vier Arbeitstagen wohl hier am DELTA beschäftigt bin. Der Beginn der Strahlwoche heute läßt mich schon nichts Gutes erwarten. Die erste Füllung des Speicherrings musste wieder herausgeworfen werden, weil ich Magnet zur Strahlkorrektur aufgefallen war. Schauen wir mal, wie es weitergeht.

nochmal 20. Mai 2010
Ich habe heute von meinem Doktorvater endlich die Antwort auf meine Frage vom letzten Donnerstag erhalten: Dem Doktorvater wünscht man eigentlich nicht "Alles Gute zum Vatertag". Gut, dass das jetzt auch geklärt ist.

20. Mai 2010
Nachdem ich gestern bis kurz vor dreiundzwanzig Uhr am DELTA war, brauche ich heute Morgen etwas länger, um in die Gänge zu kommen. Mich überrascht das nicht. Jetzt bin ich frisch geduscht und rasiert, habe ich mein Frühstück im Bauch und mache mich gleich auf den Weg zur Uni. Mein Feierabend wird heute auch deutlich früher erreicht sein, weil ich um achtzehn Uhr auf Geburtstagsfeier meiner Mutter sein möchte. Das wird die erste Geburtstagsfeier mit Enkelkind. Mal sehen, was Alexander davon hält.

18. Mai 2010
Wieder einmal begann eine Strahlwoche, wieder einmal hatte ich zwei Praktikumsversuche zu betreuen. Die Studenten an dem einen Versuch waren schön schnell fertig, weil sie wussten, was sie taten. Die anderen beiden habe deutlich länger gebraucht und mich viel zu häufig angerufen, nur damit ich ihnen gesagt habe: "Probiert es aus, das muss gehen." Es ging dann eigentlich auch immer. Das ist halt der Unterschied zwischen dem Fortgeschrittenen Praktikum und dem Anfänger Praktikum, das sie bereits abgeschlossen haben, wenn sie Versuch bei mir haben. Jetzt bin ich mal gespannt auf die Protokolle.
Gestern haben wir auch die Schichten für diese Woche eingeteilt, um Frank zu unterstützen. Ich habe diesmal schon am Mittwoch meine Spätschicht, damit ich am Donnerstag zur Geburtstagsfeier meiner Mutter fahren kann.

16. Mai 2010
Die ganze Vorbereitung für den Spieltag heute war für die Katz. Nur eine Mannschaft ist angetreten, eine weitere hatte sich abgemeldet und alle anderen sind einfach so nicht gekommen. Von meiner Mannschaft hat auch ein Spieler gefehlt und seine Krankmeldung vom Freitag ist auch als sehr dubios einzustufen. Zum Glück hatten die Kölner Ersatzspieler dabei und konnten uns einen davon ausleihen. So konnten wenigstens drei Trainingsspiele ausgetragen werden. Die regulären Spiele fielen alle aus, denn auch meine Mannschaft war mit einem fremden Ersatzspieler nicht spielberechtigt. Von meinen Sportkollegen war auch nur Dirk da, alle anderen aktiven Radballer glänzten durch Abwesenheit. Meine Vorstandskollegen waren aber praktisch alle da und nur die Cafeteria war wieder gut besetzt. Bei einer Sportveranstaltung sollte es zwar eigentlich anders aussehen, aber das werde ich meinen Sportkollegen schon noch beibiegen. Verständnis habe ich für diese Vorstellung überhaupt nicht.

nochmal 13. Mai 2010
Wünscht man eigentlich seinem Doktorvater "Alles Gute zum Vatertag"? Ich habe von meinem Doktorvater noch keine Antwort auf diese Frage bekommen. Sobald ich weitere Details kenne, werde ich sie hier veröffentlichen.
Danke, Christoph. Die Jahreszahl stimmt jetzt.

13. Mai 2010
Gestern hatte ich praktisch frei und konnte mich um ein paar Dinge kümmern, zu denen sonst keine Zeit ist. Ich war beim Frisör und anschließend im Reisebüro. Jetzt habe ich meinen Flug nach Vancouver und ein Hotelzimmer dort gebucht. Vom siebten bis zwanzigsten Juli werde ich dann in Kanada sein. Abends war ich dann mal wieder beim Training und bin dann auch gleich über Nacht in Suderwich geblieben. Durch den Feiertag heute konnte ich das mal wieder so machen. Morgen habe ich frei und werde mich um ein paar Kleinigkeiten für den Sportverein kümmern. Nachmittags werde ich dann das Jugendtraining übernehmen, weil Dirk keine Zeit hat. Anschließend werde ich dann wohl wieder selber trainieren. Am Sonntag habe ich dann die "B-Landesmeisterschaft" der Jugend bei uns in der Halle auszurichten. So kann definitiv keine Langeweile aufkommen.

11. Mai 2010
Gerade habe ich meinen Seminarvortrag gehalten. Er hat etwas mehr als fünfundvierzig Minuten gedauert und ist gut angenommen worden. Nach dem Vortrag kamen ein paar wirklich gute Fragen, ziemlich knifflig, ziemlich grundsätzlich. Prof. Khan hat beispielsweise bemerkt, dass in meinen Experimenten sowohl das Teilchenbild, als auch das Wellenbild des Lichts für die vollständige Erklärung verwendet werden muss. Es gibt nur wenige Experimente, in denen diese Dualität so eng miteinander verknüpft wird. Diese Bemerkung löste schon fast eine philosophische Diskussion über die moderne Physik aus. Zum Glück hatte ich auch schon über dieses Phänomen nachgedacht und konnte deshalb sowohl diese Frage als auch die Frage meines Chefs, warum ich im Experiment mit einer Wellenlänge von vierzig Angström eine Auflösung erzielen kann von einem Angström, halbwegs sicher beantworten. Nach dem Vortrag und der Diskussion bin ich von verschiedenen Leute ganz gut gelobt worden. Sowas tut einfach gut und macht Spaß. So eine gute Laune wie jetzt hatte ich schon seit Wochen nicht mehr.

9. Mai 2010
Den heutigen Muttertag habe ich bei meinen Eltern in Suderwich verbracht. Jens, Melanie und Alexander waren ebenfalls da und auch mein Großvater ist herüber gekommen. Meine Mutter hatte so wirklich einen wunderbaren Muttertag, denn sie konnte das machen, was sie in letzter Zeit am liebsten macht: Mit ihrem Enkel herumspielen. Ich habe ein paar Bilder und auch zum ersten Mal ein kurzes Video von meinem Neffen gemacht. So langsam wird er mit seinen drei Monaten soweit aktiv, dass es sich lohnt. Das Mienenspiel von Alexander ist wirklich beeindruckend.
Ich musste heute sowieso nach Suderwich, denn hier bin ich immer noch wahlberechtigt. Dortmund ist ja nur mein Zweitwohnsitz. Jetzt kommen die ersten Hochrechnungen über die Sender, denen man trauen kann. So, wie es aussieht, ist Schwarz-Gelb in NRW Geschichte. Ob es für Rot-Grün reicht, wird sich zeigen. Zum ersten Mal seit Jahren macht es mir wieder Spaß, die Wahlergebnisse zu sehen. Wenn auch die Wahlbeteiligung sehr zu wünschen übrig läßt (unter 60%) und die FDP doch wieder über die 5% Hürde gekommen ist. Naja, man kann nicht alles haben.

6. Mai 2010
Meinen Vortrag habe ich heute überarbeitet. Die meisten Kritikpunkte, die den Kollegen und mir bei dem Probevortrag gestern aufgefallen waren, waren relativ schnell erledigt. Ich habe allerdings noch einen zusätzlichen Teil eingefügt. Das hat dann fast den ganzen Tag gedauert. Jetzt bin ich wieder zu Hause und koche mir einen Tee. Fast wie gestern, nur dass es mir heute besser geht.

5. Mai 2010
Heute war ich wieder arbeiten. Ich habe Frank ein wenig an der Beamline geholfen und nachmittags habe ich den Vortrag, den ich nächsten Dienstag halten muss/will, schon mal vor Teilen der Arbeitsgruppe zur Probe gehalten. An einigen Stellen kann ich noch was verbessern und die Diskussion mit den Kollegen hat wirklich gut geholfen. Ich erkenne eigentlich immer an der Reaktion des Publikums erst, wie eine Folie tatsächlich rüberkommt, wenn ich einen Vortrag halte. Wenn nur ich mir die Folien anschaue, kann ich in der Regel nur schlecht abschätzen, ob das auch so wirkt, wie ich es haben will. Der Nachteil des Probevortrags und der anschließenden Diskussion ist jetzt aber, dass ich wieder deutlich heiserer bin als vorher. So ganz ist meine Erkältung offenbar doch noch nicht überstanden. Deshalb sitz ich jetzt auch wieder zu Hause und trinke eine schöne heiße Tasse Tee. Echt lästig sowas.

4. Mai 2010
KzH - Das heißt, ich bin krank zu Hause. Gestern Mittag habe ich meine Arbeit aufgegeben, weil mir einfach alles weh tat und ich mich gar nicht mehr konzentrieren konnte. Zu Hause habe ich dann ein Paar Grippetabletten genommen und mich auf mein Sofa verzogen. Nachts habe ich dann mehr als zwölf Stunden am Stück geschlafen und jetzt geht es mir schon wieder besser. Allerdings habe ich noch immer das Gefühl, mein Kopf wäre mit Watte ausgestopft, und ich werde heute noch zu Hause bleiben, um weiter ein paar Tabletten zu schlucken und mich auszuruhen. Auch nach der letzten Nacht fühle ich mich immer noch müde und schlapp. Auch tun mir noch immer alle Muskeln weh, als ob ich gestern extrem viel Sport getrieben hätte. Blöde Erkältung!

1. Mai 2010
Endlich Wochenende. Diese Woche war schon ziemlich hart, aber ich will mich nicht beklagen. Ich habe es so gewollt. Naja, zumindest halbwegs.
In den Mai getanzt habe ich bei Jenny. Das heißt, getanzt wurde erst, als es leerer wurde nach Mitternacht. Vorher waren ca. 17 Leute in ihrer ca. 16 Quadratmeter großen Wohnung. Da war einfach kein Platz, um mehr zu tanzen als einen Makarena. Das haben wir dann allerdings auch öfters mal getan, ohne dass auch nur ein einziges Mal dieses Stück lief. Der Tanz "passt" einfach zu fast jedem Lied.